Institut für Sozial- und Gesundheitspsychologie

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Jugendlichen fehlt Zugang zu Anti-Rauchermaßnahmen PDF Drucken E-Mail
Uniqa, November 2010

Jugendliche brauchen Unterstützung, wenn es um das Nein-Sagen zu Zigaretten geht - aber sie bekommen diese nur unzureichend. Zu diesem Schluss kommt das europäische Forschungsprojekt "Access", an dem das Wiener Institut für Sozial-und Gesundheitspsychologie (ISG) beteiligt war.
"Nach drei Monaten überlegen die Jugendlichen sich bereits, wie sie wieder aufhören könnten und finden leider keine Antwort darauf", betonte Projektleiter und ISG-Vorstand Karl Bohrn am Montag bei einer Pressekonferenz in Wien. Dabei ist gerade die Situation der österreichischen Jugend alarmierend: Nirgendwo in Europa rauchen Mädchen und Burschen so viel wie hierzulande. Bei den 15-Jährigen greift jeder Vierte täglich zum Glimmstängel, bei den 17-Jährigen tut dies sogar jeder Zweite, so die Daten der EU-weiten Antiraucher-Initiative "Help". Die Gesundheitsprognose ist entsprechend schlecht: Wer ab 17 im Schnitt täglich eine ganze Packung Zigaretten konsumiere, sterbe 15 Jahre früher als ein Nichtraucher.

Maßnahmen zur Nikotinentwöhnungen gibt es laut Bohrn zwar, es fehle aber ein direkter Zugang zur Jugend. Um diesen herzustellen, wurde bei "Access" unter Einbezug von Entwöhnungs-Anbietern, Experten und Eltern-, Lehrer- sowie Jugendvertretern eine mehrstufige Strategie ausgearbeitet. Ein wichtiger Faktor sei dabei das Nichtrauchen als soziale Norm, erklärte Bohrn. "Das ist leider bei uns in Österreich nicht der Fall." Erreicht werden könnte dieses Ziel durch Tabakwerbe- und umfassende Rauchverbote, regelmäßige Preiserhöhungen sowie verstärkte Prävention.

Zu den insgesamt neun "Access"-Prinzipien zählen weiters die Verfügbarkeit von jugendspezifischen Rauchstopp-Angeboten, zu denen es laut Bohrn in Österreich noch nicht einmal Untersuchungen gebe, sowie die Erforschung der Einstellungen der Jugend zum Thema Tabakkonsum. Entwöhnprogramme sollten darüber hinaus als sozial attraktiv vermarket werden und den Teenagern Anreize bieten - beispielsweise durch die Teilnahme während der Unterrichts- bzw. Arbeitszeit oder Gutscheine. Ab dem Frühjahr 2011 soll der im Oktober gegründete Verein "Initiative für eine rauchfreie Jugend" mittels Kampagnen die Situation in Österreich verbessern und insbesondere Wissenslücken bei Eltern, Lehrern und Sozialarbeitern schließen.

"Es ist eine Sache, die uns alle angeht - eine gesellschaftliche, volkswirtschaftliche und politische Frage", betonte Othmar Karas, VP-Europaabgeordneter und Präsident des Hilfswerks Österreich. Bei der Untersuchung der Kosten durch (Passiv)rauchen sowie der Einnahmen über Tabakprodukte sei der Saldo gesamtgesellschaftlich negativ. In Österreich würden pro Jahr ökonomische Kosten in der Höhe von rund 511 Millionen Euro entstehen.

Da man mit Ge- und Verboten alleine nichts erreichen werde, sei vor allem ein Klima der Veränderung wichtig. Punkto Bestrebungen für ein EU-weites totales Rauchverbot in Lokalen meinte Karas: "Wir brauchen Mehrheiten in allen Mitgliedsstaaten und diese Mehrheit für ein gänzliches Verbot sehe ich nicht." Es sei daher erfolgsversprechender, das Thema zu einem Gemeinschaftsanliegen zu machen.

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