Institut für Sozial- und Gesundheitspsychologie

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Grüner Kreis, November 2010

Ganzheitliche Suchtprävention im Kinder und Jugendalter

Für nachhaltige Primär- und Sekundärprävention bei Kindern und Jugendlichen ist der Einsatz von geeigneten begleitenden Kommunikationsstrategien von großer Bedeutung. Die Prävention von risikoträchtigen Verhaltensweisen wie der Konsum von psychotropen, legalen (wie Alkohol und Tabak) und illegalen (wie Cannabis, Opiate oder Kokain) Substanzen ist angesichts stetig steigender Zahlen von Suchterkrankten eine wichtige gesellschaftliche Aufgabe. Suchtprävention ist ein wirksamer und vielfach anerkannter Bestandteil der Gesundheitsförderung, sowohl für die Allgemeinbevölkerung als auch für spezifische Untergruppen. Das System Schule ist ein besonders geeigneter Ort für die Bereitstellung von Suchtprävention, die in Österreich im Rahmen des Unterrichtsprinzips "Gesundheitsförderung" sogar gesetzlich verankert ist.

Primärprävention im Unterricht
- das schulische Präventionsprogramm Unplugged In vielen europäischen (auch österreichischen) Schulen werden bereits seit vielen Jahren vielfältige Interventionen zur primären Suchtprävention durchgeführt. Die meisten dieser Programme wurden jedoch nicht gemäß den aktuellen wissenschaftlichen Standards entwickelt und evaluiert, sodass so gut wie keine validen Aussagen bezüglich der tatsächlichen Wirksamkeit möglich sind. Im Rahmen des Projekts EU-Dap ("European Drug Addicition Prevention Trial") wurde in den Jahren 2003-07 unter Mitarbeit des Instituts für Sozial- und Gesundheitspsychologie Wien (ISG) erstmals im europäischen Raum ein standardisiertes Programm für 11 bis 14jährige SchülerInnen entwickelt und wissenschaftlich evaluiert. Dieses Programm namens "Unplugged" hat sich bisher als einziges effizient zur Prävention des Konsums von legalen und illegalen Substanzen erwiesen, insbesondere auch bei weniger privilegierten Bildungsschichten. Das aus 12 Unterrichtseinheiten bestehende und von speziell geschulten Lehrkräften durchgeführte Programm beruht auf dem Konzept des Umfassenden sozialen Einflusses und kombiniert die Korrektur falscher normativer Überzeugungen mit der Vermittlung von Lebenskompetenzen. Jugendliche entwickeln dabei in teils spielerischer Form soziale Fertigkeiten, die es ihnen erleichtern sollen, sich für gesunde Verhaltensalternativen zu entscheiden. Unplugged wird in 11 europäischen Ländern laufend eingesetzt und wurde vor kurzem auch vom österreichischen Unterrichtsministerium für den Unterricht zugelassen und empfohlen. Ab Herbst wird es bundesweit für den Einsatz in Hauptschulen und Gymnasialunterstufen zur Verfügung stehen und die erforderlichen Lehrertrainings vom ISG Wien angeboten.

Wenn Primärprävention nicht mehr ausreicht
Die aktuellen Daten über riskante Gewohnheiten zeigen leider, dass viele Jugendliche bereits in einem sehr frühen Alter beginnen, mit diversen psychotropen Substanzen zu experimentieren, sowohl mit legalen wie auch mit illegalen, sodass ab dem Alter von 13-14 Jahren bei einem bedeutsamen Teil die primärpräventiven Angebote nicht mehr ausreichen. Hier sind gezielte Maßnahmen gefragt, die einerseits den Übergang vom "Experimentieren" zu den problematischeren Konsumformen und andererseits die bereits einsetzenden Abhängigkeits- und Suchtprozesse gezielter ansprechen um ihnen entgegenzuwirken. Beispielsweise hat der Tabakkonsum ein enormes, vielfach weit unterschätztes abhängigkeitserzeugendes Potenzial gerade bei Jugendlichen. So bleiben von den Jugendlichen, die Zigaretten jemals probiert haben, rund ein Drittel (!) für Jahre gewohnheitsmäßige, d.h. süchtige Raucher. Darüber hinaus hat die Nikotinsucht eine bislang oftmals unterschätzte Schlüsselstellung für die Entwicklung weiteren problematischen, auch illegalen Substanzkonsums. Gegenwärtig wird daher vom ISG Wien ein Pilotprojekt vorbereitet, dass den Einsatz des schulischen Raucherentwöhnungsprogramms "EX" in Österreich erproben soll. Dieses Programm wurde an der University of Southern California (USC) unter Beteiligung namhafter international anerkannter Experten wie Prof. Steven Sussman entwickelt und wissenschaftlich als wirksam evaluiert. Es wendet sich an Jugendliche zwischen 14 und 19 Jahren, die bereits gewohnheitsmäßig rauchen und wurde bereits in mehreren Ländern erprobt, in Europa aber bisher noch nicht eingesetzt.

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