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Wir wollten nicht weggehen PDF Drucken E-Mail
Kurier, Dezember 2009

Santiago de Chile, 11. September 1973: Präsident Salvador Allende wird bei einem Militärputsch gestürzt. Heereschef Augusto Pinochet übernimmt die Macht. Tausende Menschenwerden verhaftet, gefoltert, viele von ihnen ermordet oder verbannt. Der 11. September 1973 war nicht nur ein schwarzer Tag für Chile (Diktator Pinochet regierte bis 1990). Der 11. September 1973 hatte auch dramatische Auswirkungen auf das Leben einer damals 19-jährigen Chilenin. Aida war die älteste Tochter eines Allende-treuen Politikers, der nach dem Putsch in ein Konzentrationslager verfrachtet wurde. Die junge Frau musste sich um ihre drei jüngeren Geschwister kümmern. „Unsere Mutter ist gestorben, als ich 16 war“, erzählt die heute 55-Jährige, die seit 34 Jahren in Österreich lebt. „Ich habe mehr als dieHälfte meines Lebens hier verbracht“, schildert sie lächelnd – und nippt entspannt an einer Tasse Tee. Mitte der 70er-Jahre konnte sie sich nicht entspannen.

Zwei Jahre war der Vater in Haft. 1975 kam er mithilfe einer katholischen Organisation nach Österreich. Einige Wochen später durften auch seine vier Kinder einreisen. „Wir wollten nicht weg aus der Heimat, wussten aber, dass wir dort nicht bleiben konnten“, beschreibt Aida Bohrn ihre zwiespältigen Gefühle. Ihre erste Unterkunft war ein Zimmer in einem Flüchtlingslager in Vorderbrühl bei Mödling (NÖ), das sie sich mit dem Vater und den Geschwistern teilenmusste. Die ersten Eindrücke und Erinnerungen? „Die wunderschönen Häuser in Mödling, die Wälder und der warmherzige Empfang durch andere Chilenen im Flüchtlingsheim.“ Dennoch wollten die Einwanderer möglichst bald von dortweg. Ein Fließband-Job in einer Kunststoff-Fabrik für Aida, ihren Vaterund einen Bruder ermöglichte der Familie eine Mietwohnung in Wien. Später arbeitete die Immigrantin als Stationsgehilfin in einem Wiener Spital. Ihr Ziel aber war ein Psychologie-Studium. „Ich habe schon mit 13 Jahren Freuds Traumdeutung gelesen.“

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